Bava Kamma 196

Kapitel 196

א אי דאיכא סהדי דידעי מאי הוה בשטרא ליכתבו ליה שטרא מעליא ואי דליכא סהדי אנן מנא ידעינן אמר רבא תהא במאמינו
1 sind Zeugen vorhanden, die den Inhalt des Schuldscheines kennen, so sollte man ihm doch einen neuen Schuldschein schreiben, und sind keine Zeugen vorhanden, woher wissen wir dies? Raba erwiderte: Wenn er ihm glaubt.
ב אמר רב דימי בר חנינא הא דרבה מחלוקת ר"ש ורבנן היא לר"ש דאמר דבר הגורם לממון כממון דמי מחייב לרבנן דאמרי דבר הגורם לממון לאו כממון דמי לא מחייב
2 R. Dimi b. Ḥenana sagte: Über die Lehre Rabbas besteht ein Streit zwischen R. Šimo͑n und den Rabbanan; nach R. Šimo͑n, welcher sagt, was Geld verursacht, gelte als Geld, ist er ersatzpflichtig, und nach den Rabbanan, welche sagen, was Geld verursacht, gelte nicht als Geld, ist er nicht ersatzpflichtig.
ג מתקיף לה רב הונא בריה דרב יהושע אימר דשמעת ליה לרבי שמעון דבר הגורם לממון כממון דמי בדבר שעיקרו ממון כדרבה דאמר רבה גזל חמץ לפני הפסח ובא אחר ושרפו במועד פטור שהכל מצווים עליו לבערו לאחר הפסח מחלוקת ר' שמעון ורבנן
3 R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, wandte ein: R. Šimo͑n ist ja nur in dem Falle, wenn die Sache an sich Geldwert hat, der Ansicht, was Geld verursacht, gelte das Geld, wie beispielsweise bei der Lehre Rabbas. Rabba sagte nämlich: Wenn jemand Gesäuertes vor dem Pesaḥfeste geraubt und ein anderer es am Pesaḥfeste verbrannt hat, so ist er frei, weil es jedem geboten ist, es zu vernichten; wenn aber nach dem Pesaḥfeste, so besteht hierüber ein Streit zwischen R. Šimo͑n und den Rabbanan;
ד לרבי שמעון דאמר דבר הגורם לממון כממון דמי חייב לרבנן דאמרי דבר הגורם לממון לאו כממון דמי פטור בדבר שאין עיקרו ממון מי אמרינן
4 nach R. Šimo͑n, welcher sagt, was Geld verursacht, gelte als Geld, ist er ersatzpflichtig, und nach den Rabbanan, welche sagen, was Geld verursacht, gelte nicht als Geld, ist er frei. Aber sagte er dies etwa auch von einer Sache, die an und für sich keinen Geldwert hat!?
ה אמר אמימר מאן דדאין דינא דגרמי מגבי ביה דמי שטרא מעליא ומאן דלא דאין דינא דגרמי מגבי ביה דמי ניירא בעלמא הוה עובדא וכפייה רפרם לרב אשי ואגבי ביה כי כשורא לצלמא:
5 Amemar sagte: Nach dem man für die Verursachung ersatzpflichtig ist, ist von ihm der richtige Betrag des Schuldscheines einzufordern, und nach dem man für die Verursachung nicht ersatzpflichtig ist, ist von ihm nur der Wert des Papiers einzufordern. Einst ereignete sich ein solcher Fall, da zwang Raphram den R. Aši, und er ließ von ihm einfordern, wie für einen Balken zu einem Bildwerke.
ו חמץ ועבר עליו הפסח אומר לו הרי שלך לפניך: מאן תנא אומרין באיסורי הנאה הרי שלך לפניך אמר רב חסדא ר' יעקב היא דתניא שור שהמית עד שלא נגמר דינו מכרו מכור הקדישו מוקדש שחטו בשרו מותר החזירו שומר לבעליו מוחזר
6 G<small>ESÄUERTES UND DARÜBER DAS</small> P<small>ESAḤFEST VERSTRICHEN IST &amp;C., SO KANN ER ZU IHM SAGEN: DA HAST DU DEINES</small>. Wer ist der Autor, welcher sagt, man könne zur Nutznießung verbotene Dinge [dem Eigentümer] zur Verfügung stellen? R. Ḥisda erwiderte: Es ist R. Ja͑qob, denn es wird gelehrt: Wenn ein Ochs getötet hat, so ist, wenn vor der Aburteilung [der Eigentümer] ihn verkauft, der Verkauf gültig, dem Heiligtume weiht, die Weihung gültig, schlachtet, das Fleisch erlaubt, der Hüter ihn dem Eigentümer zurückgibt, die Rückgabe gültig.
ז משנגמר דינו מכרו אינו מכור הקדישו אינו מוקדש שחטו בשרו אסור החזירו שומר לבעליו אינו מוחזר רבי יעקב אומר אף משנגמר דינו החזירו שומר לבעליו מוחזר
7 Wenn aber nach der Aburteilung, so ist, wenn [der Eigentümer] ihn verkauft, der Verkauf ungültig, dem Heiligtume weiht, die Weihung ungültig, schlachtet, das Fleisch verboten, der Hüter ihn dem Eigentümer zurückgibt, die Rückgabe ungültig. R. Ja͑qob sagt, auch wenn der Hüter ihn dem Eigentümer nach der Aburteilung zurückgibt, sei die Rückgabe gültig.
ח מאי לאו בהא קמיפלגי דרבי יעקב סבר אומרין באיסורי הנאה הרי שלך לפניך ורבנן סברי אין אומרין באיסורי הנאה הרי שלך לפניך
8 Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: R. Ja͑qob ist der Ansicht, man könne zur Nutznießung verbotene Dinge [dem Eigentümer] zur Verfügung stellen, und die Rabbanan sind der Ansicht, man könne zur Nutznießung verbotene Dinge [dem Eigentümer] nicht zur Verfügung stellen.
ט א"ל רבה לא דכולי עלמא אמרינן באיסורי הנאה הרי שלך לפניך דאם כן נפלגו בחמץ בפסח אלא אמר רבה הכא בגומרין דינו של שור שלא בפניו קא מיפלגי
9 Rabba erwiderte ihm: Nein, alle sind der Ansicht, man könne zur Nutznießung verbotene Dinge [dem Eigentümer] zur Verfügung stellen, denn sonst würden sie ja hinsichtlich des Gesäuerten am Pesaḥfeste gestritten haben, vielmehr, sagte Rabba, streiten sie hierbei, ob man den Ochsen in seiner Abwesenheit aburteilen könne.
י רבנן סברי אין גומרין דינו של שור שלא בפניו דאמר ליה אי אייתיתיה ניהליה הוה מעריקנא ליה לאגמא השתא מסרתיה ביד מאן דלא מצינא לאישתעויי דינא בהדיה ור' יעקב סבר גומרין דינו של שור שלא בפניו דאמר ליה מאי עבדי ליה סוף סוף הוה גמרי ליה דינא שלא בפניו
10 Die Rabbanan sind der Ansicht, man könne den Ochsen in seiner Abwesenheit nicht aburteilen, somit kann [der Eigentümer] sagen: wenn du ihn mir zurückgegeben hättest, so würde ich ihn auf die Wiese entweichen lassen haben, du aber hast meinen Ochsen einem ausgeliefert, mit dem ich nicht prozessieren kann; R. Ja͑qob aber ist der Ansicht, man könne den Ochsen auch in seiner Abwesenheit aburteilen, somit kann [der Hüter] sagen: ich habe ihm nichts getan.
יא אשכחיה רב חסדא לרבה בר שמואל א"ל תנית מידי באיסורי הנאה אמר ליה אין תנינא (ויקרא ה, כג) והשיב את הגזלה מה תלמוד לומר אשר גזל יחזיר כעין שגזל
11 R. Ḥisda traf Rabba b. Šemuél und fragte ihn: Hast du etwas über [das Gesetz vom] zur Nutznießung Verbotenen gelernt? Dieser erwiderte: Jawohl, ich habe folgendes gelernt:<i>So soll er zurückerstatten das Geraubte</i>, wozu heißt es: <i>das er geraubt hat</i>? Im selben Zustande, wie er es geraubt hat.
יב מכאן אמרו גזל מטבע ונפסל פירות והרקיבו יין והחמיץ תרומה ונטמאת חמץ ועבר עליו הפסח בהמה ונעבדה בה עבירה ושור עד שלא נגמר דינו אומר לו הרי שלך לפניך
12 Hieraus folgerten sie, daß, wenn jemand eine Münze geraubt hat und sie verrufen worden ist, Früchte, und sie verfault sind, Wein, und er sauer geworden ist, Hebe, und sie unrein geworden ist, Gesäuertes, und darüber das Pesaḥfest verstrieben ist, ein Vieh, und mit ihm eine Sünde begangen worden ist, oder einen Ochsen bevor er abgeurteilt worden ist, er zu ihm sagen könne: da hast du deines.
יג מאן שמעת ליה דאמר עד שלא נגמר דינו אין משנגמר דינו לא רבנן וקתני חמץ ועבר עליו הפסח אומר לו הרי שלך לפניך א"ל אי משכחת להו לא תימא להו ולא מידי:
13 Diejenigen, welche sagen, nur bevor er abgeurteilt worden ist, nicht aber nachdem er abgeurteilt worden ist, sind ja die Rabbanan, und er lehrt, wenn er Gesäuertes [geraubt hat] und das Pesaḥfest darüber verstrichen ist, könne er es ihm zur Verfügung stellen. Da sprach jener: Wenn du sie triffst, sage ihnen nichts.
יד פירות והרקיבו אומר לו הרי שלך לפניך: והתנן פירות והרקיבו משלם כשעת הגזילה אמר רב פפא כאן שהרקיבו כולן כאן שהרקיבו מקצתן:
14 «Früchte, und sie verfault sind &amp;c. so kann er zu ihm sagen: da hast du deines.» Wir haben ja aber gelernt, wenn er Früchte [geraubt hat] und sie verfault sind, müsse er nach [dem Werte] beim Rauben bezahlen!? R. Papa erwiderte: Das eine, wenn sie vollständig verfault sind, das andere, wenn sie teilweise verfault sind.
טו <big><strong>מתני׳</strong></big> נתן לאומנין לתקן וקלקלו חייבין לשלם נתן לחרש שידה תיבה ומגדל לתקן וקלקל חייב לשלם והבנאי שקיבל עליו לסתור את הכותל ושיבר האבנים או שהזיקן חייב לשלם היה סותר מצד זה ונפל מצד אחר פטור ואם מחמת המכה חייב:
15 <b>W</b><small>ENN JEMAND</small> H<small>ANDWERKERN ETWAS ZUR</small> R<small>EPARATUR GEGEBEN HAT UND SIE ES VERDORBEN HABEN, SO SIND SIE ERSATZPFLICHTIG</small>. W<small>ENN JEMAND EINEM</small> S<small>CHREINER EINE</small> T<small>RUHE, EINE</small> K<small>ISTE ODER EINEN</small> S<small>CHRANK</small> <small>ZUR</small> R<small>EPARATUR GEGEBEN UND ER SIE VERDORBEN HAT, SO IST ER ERSATZPFLICHTIG</small>. W<small>ENN EIN</small> B<small>AUUNTERNEHMER EINE</small> W<small>AND NIEDERZUREISSEN ÜBERNOMMEN UND DIE</small> S<small>TEINE ZERBROCHEN ODER SONST EINEN</small> S<small>CHADEN ANGERICHTET HAT, SO IST ER ERSATZPFLICHTIG</small>. W<small>ENN ER SIE AUF DER EINEN</small> S<small>EITE NIEDERGERISSEN HAT UND SIE NACH EINER ANDEREN</small> S<small>EITE GEFALLEN IST, SO IST ER FREI; WENN ABER INFOLGE EINES</small> S<small>CHLAGES, SO IST ER ERSATZPFLICHTIG</small>.
טז <big><strong>גמ׳</strong></big> אמר רב אסי לא שנו אלא שנתן לחרש שידה תיבה ומגדל לנעץ בהן מסמר ונעץ בהן מסמר ושיברן אבל נתן לחרש עצים לעשות שידה תיבה ומגדל ועשה מהן שידה תיבה ומגדל ושיברן פטור
16 GEMARA. R. Aši sagte: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn er einem Schreiner eine Kiste, eine Truhe, oder einen Schrank gegeben hat, um einen Nagel hineinzuschlagen, und er einen Nagel hineingeschlagen und sie zerbrochen hat, wenn er aber einem Schreiner Holz gegeben hat, um eine Truhe, eine Kiste oder einen Schrank anzufertigen, und er daraus eine Truhe, eine Kiste oder einen Schrank angefertigt hat, und sie zerbrochen hat, so ist er frei,
יז מאי טעמא אומן קונה בשבח כלי
17 weil der Handwerker den Mehrwert der Sache eignet. –
יח תנן נתן לאומנין וקלקלו חייבין לשלם מאי לאו דיהיב להו עצים לא שידה תיבה ומגדל
18 Wir haben gelernt: Wenn jemand Handwerkern etwas gegeben hat und sie es verdorben haben, so sind sie ersatzpflichtig. Doch wohl, wenn er ihnen Holz gegeben hat!? Nein, eine Truhe, eine Kiste oder einen Schrank. –
יט הא מדקתני סיפא שידה תיבה ומגדל מכלל דרישא עצים אמרי פרושי קא מפרש לה כיצד נתן לאומנין לתקן וקלקלו חייבין לשלם כגון שנתן לחרש שידה תיבה ומגדל
19 Wenn er aber im Schlußsatze von einer Truhe, einer Kiste und einem Schranke lehrt, so spricht ja wahrscheinlich der Anfangsatz von Holz!? – Ich will dir sagen, dies ist eine Erklärung: wenn jemand Handwerkern etwas zur Reparatur gegeben hat und sie es verdorben haben, so sind sie ersatzpflichtig, wenn er beispielsweise einem Schreiner eine Truhe, eine Kiste oder einen Schrank gegeben hat.
כ והכי נמי מסתברא דכיצד קתני דאי סלקא דעתך רישא עצים השתא אשמעינן עצים חייבין לשלם ולא אמרינן אומן קונה בשבח כלים שידה תיבה ומגדל מבעיא
20 Es ist auch einleuchtend, daß er es beispielsweise lehrt, denn wenn man sagen wollte, der Anfangsatz spreche von Holz, so wäre dies ja, wenn er ersatzpflichtig ist sogar in dem Falle, wenn er Holz erhalten hat, und wir nicht sagen, der Handwerker eigne den Mehrwert der Sache, von einer Truhe, einer Kiste und einem Schranke selbstverständlich!? –
כא אי משום הא לא איריא תנא סיפא לגלויי רישא שלא תאמר רישא שידה תיבה ומגדל אבל עצים לא תנא סיפא שידה תיבה ומגדל מכלל דרישא עצים ואפ"ה חייב לשלם
21 Wenn nur das, so ist dies kein Beweis; er lehrt den Schlußsatz zur Auslegung des Anfangsatzes: man könnte glauben, der Anfangsatz spreche von einer Truhe, einer Kiste oder einem Schranke, nicht aber gelte dies von dem Falle, wenn er ihm Holz gegeben hat, daher lehrt er im Schlußsatze von einer Truhe, einer Kiste und einem Schranke, damit man den Anfangsatz auf den Fall beziehe, wenn er ihm Holz gegeben hat, und dennoch ist er ersatzpflichtig.
כב לימא מסייע ליה הנותן צמר לצבע
22 Ihm wäre eine Stütze zu erbringen: Wenn jemand einem Färber Wolle [zum Färben] gegeben